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Die Thomasberger Steinbrüche

Die Thomasberger Steinbrüche
Von Willi Schmidt

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Vor dem Maschinenhaus des Adrianischen Steinbruchs am Limberg (Limperichsberg). Das kleinere Gebäude dahinter birgt vorne eine Werkstatt und dahinter das Büro, in dem auch die Löhne ausgezahlt wurden. Die Schienen führen nach hinten zum “Sandlager”.

Das Siebengebirge ist der Kern eines tertiären Vulkangebietes, sagt uns die Wissenschaft. Die Vulkanschmelzen führten zu stofflich und mineralisch verschiedenartig zusammengesetzten Gesteinsarten, einmal zu Festgestein, den Vulkaniten, zum anderen zu Lockergestein, den Tuffen. Uns interessiert hier das Festgestein, das wir vereinfacht in drei Gruppen einteilen. Da ist der Trachyt, der überwiegend am Drachenfels, aber auch am Lohrberg und in der Gegend vom Ölberg vorkommt und den schon die alten Römer am Drachenfels brachen und für ihre Bauzwecke per Schiff nach Bonn, Köln und weiter rheinab bis Xanten verfrachteten. Ein weiteres für Bauzwecke gut geeignetes Gestein ist der Andesit von der Wolkenburg und dem Stenzelberg, er kommt auch am Breiberg und an der Rosenau vor. Aus diesem Gestein sind zahlreiche Kirchen gebaut, zuletzt die Pfarrkirche in Thomasberg.

Für unsere engere Heimat aber war mehr als ein halbes Jahrhundert der Basalt der wichtigste Stein. Er wurde verlangt für den Straßen- und Deichbau, für Uferbefestigungen und als Kleinschlag für alles mögliche. Nachdem die Basaltbrüche an Ölberg und Petersberg dank der Aktivitäten des VVS hatten schließen müssen, stürzten sich die von Bestellungen überhäuften Steinbruchunternehmer auf die Basaltlager im periphären Bereich des Siebengebirges, also auch und insbesondere auf der Strüch. Dort fanden dann auch die Steinbrucharbeiter wieder Arbeit und Brot, die am Ölberg ihren Arbeitsplatz verloren hatten.

Bei denen rumorte es ohnehin, sie konnten nur schwer verwinden, daß Naturschützer ihnen ihren Arbeitsplatz nahmen. Im Januar und Februar des Jahres 1900 gab es im Bonner Generalanzeiger eine konträre Kampagne zu den Aktivitäten des VVS und deren Auswirkungen auf die Steinbrucharbeiter. Im Januar beklagte jemand, daß am Ölberg 100 Mann arbeitslos geworden wären und der VVS, der doch versprochen hätte, allen zu helfen, täte nicht genug. (Über die Zahl der Arbeiter am Ölberg gibt es unterschiedliche Angaben, s. Kapitel ,,Der Ölberg“.) Inzwischen sei bei den Betroffenen große Armut ausgebrochen. Im Februar schrieb ein anderer, daß unter den Arbeitern gewühlt würde, indem man ihnen das ,,Schreckgespenst der Brodlosigkeit“ vorspiegele. In einer Versammlung des christlichsozialen Arbeiterverbandes im Siebengebirge am 9. April 1901 in Heisterbacherrott verabschiedeten die aufgebrachten Steinbrucharbeiter eine Eingabe an den Regierungspräsidenten mit der Forderung, die Steinbrucharbeiten wieder auszuweiten.

Diese Eingabe wurde auch von 77 Arbeitern aus dem Bereich Kuxenberg unterschrieben.

Der Oberpleiser Bürgermeister wies damals in seinen Berichten an den Landrat mehrmals auf die bedrohliche Lage hin, besonders eindringlich am 07.03.1899. Wenn der VVS, so schrieb Komp, nicht bald etwas zur Beruhigung der aufgebrachten Bevölkerung tue, die von den Steinbrüchen lebt und Angst hat, daß jetzt auch die Brüche am Weilberg, Limberg und Scharfenberg stillgelegt werden, dann könne nicht mehr ausgeschlossen werden, daß ,,die Sozialdemokratie die Gelegenheit wahrnehmen wird, die herrschende Unzufriedenheit für ihren Zweck auszunutzen“. Offensichtlich war das das Schreckgespenst für die Herrschenden (Akte 269). Wie recht er gehabt hatte, berichtete Komp in den beiden folgenden Jahren. Inzwischen habe sich auch hier ein christlich-sozialer Arbeiterverein gebildet, der immer mehr ,,eine sozialdemokratische Richtung“ annähme. Und bei der letzten Reichstagswahl hätte die Sozialdemokratie hier glatt 12 Stimmen bekommen!

Ungünstigerweise kam jetzt auch noch der Basaltboom zum Erliegen, nachdem zuvor schon die Quarzitbrüche bis nahe Null gefahren waren. Und daß die Firma Adrian um die Jahrhundertwende vom Handkleinschlag auf maschinelle Steinbrecher übergegangen war, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben, vernichtete weitere Arbeitsplätze. Erst im Weltkrieg lebte das Geschäft wieder auf.

Luftbild vom Limperichsberg. Im Vordergrund der Terrassenweg, der alte Sportplatz und die zugewachsenen Steinbrüche. Im Hintergerund Thomasberg, Bennert, Steinringen ...Der wichtigste und ergiebigste Steinbruch in unserer Gegend war zweifellos der am Limperichsberg, später meist Bruch am Limberg genannt, an dem sich ursprünglich die Heisterbacher Mönche schon mal versucht hatten. So steht es jedenfalls in der Festschrift ,,50 Jahre Kolpingsfamilie Oberpleis“ in einem Aufsatz von Wilhelm Weber, demzufolge die Heisterbacher Steinbrecherei auf dem Limperichsberg 1794 urkundlich belegt ist. Die Heisterbacherrotter Chronik ,,Alt-Hesprott“ nennt sogar das Jahr 1784. Sei es wie es sei, auf jeden Fall ist der Steinbruch am Limperichsberg der älteste im Thomasberger Gebiet.

Von Frau Symnofsky wissen wir, daß keiner den Limperichsberg hatte haben wollen, als ihn der preußische Fiskus im Jahr 1825 verkaufen wollte. Für dieses zerklüftete Ödland müsse man ja nur Steuern bezahlen, mutmaßte man. Dort Steine zu brechen, wie es zuvor das Kloster Heisterbach gemacht hatte, schien nicht verlockend. Schließlich übernahm, nach Frau Symnofsky, ein Johann Losem aus Wiese das Land. Weiterverkauft wurde es dann aber von Heinrich und Theodor Losem, und zwar am 22. August 1837 an Johann Peter Dewald ,,zur Gewinnung von Pflastersteinen“. Verkauft war aber nur ,,das Unterirdische eines Heidebusches in der Gemarkung Hasenpohl“, d. h. die oberirdische Nutzung des Geländes verblieb bei den Verkäufern, z. B. der Holzeinschlag. Laut dem beim Notar Schäfer in Königswinter geschlossenen Vertrag war das Gelände 5 Morgen, 64 Ruthen und 90 Fuß groß und wurde ,,begrenzt von Adolph Otto, Michael Schmitz, Heinrich Losem, Engelbert Klein, Heinrich Schorodt, Christ. Liefen, Peter Gödderz, Theodor Neffgen, Heinrich Hochstädter, Christ. Klein und mehrere Anschließende.“ Der Vertrag sah weiter vor, daß im Falle, daß sich der Bruch rentiert, die Verkäufer von jedem Tausend Steine 5 Silbergroschen bekämen und das Recht hätten, vorzugsweise als Tagelöhner oder als Fuhrleute beschäftigt zu werden. Sollte sich der Bruch nicht lohnen, also ,,die gehofften Pflastersteine nicht liefern“, durfte der Käufer entschädigungslos vom Vertrag zurücktreten.

Steinbrucharbeiter am LimperichsbergIm September 1849 kaufte J.G. Adrian aus Oberkassel den Steinbruchbetrieb am Limperichsberg. J.G. steht für Johann-Gabriel, es war der Großvater des gleichnamigen J.G. Adrian, von dem bei uns meist die Rede ist. Er ritt fast täglich in der Frühe zum Limberg, um nach dem Rechten zu sehen, schreibt die Familienchronik der Adrians, die im übrigen vom ,,Limberg mit seinem schönen blauen Säulenmaterial“ regelrecht schwärmt, das so außerordentlich ergiebig sei und bedeutende Mengen von Säulen, Pflastersteinen und Kleinschlag lieferte.

Bei der 1856 vorgenommenen Vermögensteilung erhielt Karl Adrian den Limberg. In den Planungsunterlagen für den Bau der Pleistalstraße Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wird bereits dieser Karl Adrian genannt, kurioserweise aber nicht nur am Limperichsberg, wo er mit 15 Arbeitern die bestellten Pflastersteine für die Straße brechen wollte, sondern auch am Stüß, wo er 4 Arbeiter einsetzen wollte. In einem Verzeichnis von 1868 erscheint sein Name ebenfalls, mit einem ,,nicht der Administration der Bergbehörden unterliegenden“ Betrieb in Bennert. Das kann, wenn das richtig ist, auch nur am Stüß gewesen sein. Im selben Verzeichnis steht auch Chr. Uhrmacher, dessen Unternehmen sowieso deutlich größer war als das von Adrian, aber hinter seinem Namen steht: ,,Bennert, nicht in Betrieb“. Außerdem werden hier noch die Unternehmer Engelbert Patt aus Wiese und Theodor Schonauer aus Mettelsiefen genannt, beide mit einem Betrieb in Wiese, also wohl am Limperichsberg. Bedeutend war von denen aber nur Adrian (Uhrmacher hatte seine Steinbrüche hauptsächlich anderswo). Bei alledem wird deutlich, daß es unmöglich sein wird, alle Feinheiten und Verästelungen der Besitz- Vor dem Maschinenhaus des Adrianschen Steinbruchs am Limberg ((Limperichsberg). Das kleinere Gebäude dahinter birgt vorne eine Werkstatt und dahinter das Büro, in dem Löhne ausgezahlt wurden.und Betriebsverhältnisse aus dem vorigen Jahrhundert in unserer Gegend restlos zu klären.

Von Karl Adrian erwarb 1881 die Mutter von J.G. Adrian, dem jüngeren J.G., den Steinbruch am Limperichsberg. Sie veräußerte ihn am 18.05.1886 an ihren Sohn. Mit ihm, dem legendären J.G. Adrian, kam der Betrieb zur vollen Blüte. Der obere Zugangstunnel zum Steinbruch, nahe der heutigen Wiesenstraße, trägt über dem Eingang die Jahreszahl 1889, gibt also Zeugnis von dieser Entwicklung. Unter und nach J.G. Adrian führten dessen Söhne und Enkel den Betrieb, ab 1913 Hermann A., ab 1934 Fritz A. und ab 1949 Wolfgang A. J.G. A. starb 1948.

Mit dem Limperichsberg hatte die Firma J.G. Adrian das Strücher Filetstück in der Hand, nämlich den ergiebigsten und verkehrsgünstigsten Basaltbruch rundum. Sie brauchte nur direkt unterhalb der Tunnelzugänge, direkt an der Provinzialstraße und ab 1891 direkt an der Heisterbacher Talbahn eine Verladerampe anzubringen und später dort den maschinengetriebenen Steinbrecher zu installieren und alle Transportprobleme waren gelöst. J.G. Adrian wußte bei Übernahme des Bruches im Jahre 1886, daß die Heisterbacher Talbahn kommen würde, weil er selbst zu den Initiatoren gehörte, und bis dahin war angesichts der Nachfrage auch der Transport mit Pferdefuhrwerken über die neue Provinzialstraße nach Niederdollendorf lohnend. Vorher, also bis etwa 1855, mußte man den ,,Langemich“ benutzen, die einzige Fahrstraße zwischen der Strüch bzw. Heisterbacherrott nach Dollendorf. Frau Symnofsky berichtete über von Ochsen oder Kühen gezogene Karren mit Gestein aus hiesigen Brüchen, die sich den Langemich hinabquälten. Sicher haben sich auch Strücher ,,Kleinunternehmer“ hiermit ein Zubrot erworben. Vom Limperichsbruch abwärts benutzten die Fuhrwerke einen Weg, der später ,,Adriansweg“ genannt wurde. Bei den Fuhrtransporten vom Limberg bis nach Niederdollendorf, entweder zur Bahn oder an den Rhein, spielte lange Zeit ,,eine Familie Lichtenberg aus Heisterbacherrott eine besondere Rolle.“ Auch das steht in Adrians Familienchronik. Hauptsächlich zwischen 1890 und 1900 gingen umfangreiche Lieferungen von Basaltmaterial an die Befestigungswerke in Köln.

Theodor Schmidt aus Steinringen, genannt ,,de Schmittren Dei“, einer der letzten noch lebenden Steinbrucharbeiter unserer Gegend, der sowohl im Stüß-Bruch als auch am Limperichsberg und, als Schürger, unten am Rhein gearbeitet hat, erinnert sich an drei Brüche auf dem Limberg. Einen nannte man ,,Haniel“, ein Bruch, der schon früh restlos ausgeräumt und wieder verfüllt war. Ein zweiter wurde ,,Säulenbruch“ genannt, weil in ihm die Basaltsäulen in ihrer besten Form standen, und den dritten nannte man schlicht den „Hauptbruch“, es war der größte der drei.

1893 interessierte sich J. G. Adrian für das Basaltvorkommen am Scharfenberg. Er kaufte dort für 5000 Mark eine Reihe von Parzellen und eröffnete einen neuen Bruch. Am 10.11.1893 stimmte der Gemeinderat dem Bau einer Anschlußbahn von der HTB zu diesem Bruch zu. 1932 teilte Adrian dem Wasserleitungsverein Thomasberg, von dem er seit 1917 Wasser für seine Brecheranlage am Scharfenberg bezogen hatte, mit, daß der Bruch ruhe. Hieraus kann auf die Betriebsdauer des Adrianschen Bruches am Scharfenberg geschlossen werden.

Kurz vor der Jahrhundertwende installierte J. G. Adrian sowohl am Limberg als auch am Scharfenberg je einen maschinellen Steinbrecher, die von sog. Lokomobilen angetrieben wurden. Die ,,Sortierung“ nach “sehr fein“, ,,fein“, ,,Splitt“ und ,,Schrott“ geschah hier in sog. Sortiertrommeln, die modernen Schwingsiebe gab es damals noch nicht. Was nicht durch die Siebe ging kam wieder in den Brecher. Ohne diese technische Ausrüstung konnte die übergroße Nachfrage nach Kleinschlag nicht mehr befriedigt werden.

Die Firma Gebr. Baur aus Niederdollendorf betrieb ebenfalls einen Bruch am Scharfenberg. Im März 1901 befaßt sich der Gemeinderat mit einem Antrag der Gebr. Baur auf Verlegung des Gemeindeweges, der über die Halden des Baur‘schen Steinbruchs führte, er genehmigte die Verlegung in westliche Richtung. Gebr. Baur nannten den Bruch in ihrem gedruckten Briefkopf “Steinbruch am Kleinen Scharfenberg“. Im Volksmund hieß er ,,Buhrsch Broch“, heute ,,Blauer See“. Die Baurs bezogen ab 1912 ihr Wasser für den Bruchbereich vom Wasserleitungsverein Kuxenberg und Umgebung. Die Zahlung des Wassergeldes ist bis einschl. 1922 nachgewiesen, dann schlampte der Wasserverein mit seiner Buchführung und als es wieder ordentlich zuging, also 1927, erschienen die Gebr. Baur nicht mehr. Sie hatten inzwischen zugemacht. Steinklopfer gegen Steinbrecher, das ging auf Dauer wohl nicht. (Theodor Schmidt glaubt sich aber sicher zu erinnern, daß ein Heisterbacherrotter Landwirt namens Sains diesen Steinbruch noch eine Weile weiterbetrieben hat.)

Die Steinbrüche am Steinringsberg und am Stüß wurden überwiegend von den Gebr. Uhrmacher aus Oberkassel betrieben. Eröffnet hatten die beiden Brüche aber andere. Am Steinringsberg war es der Steinbruchunternehmer Albert Meyers aus Oberdollendorf. M. beantragte und erhielt 1894 die Genehmigung der Gemeinde Oberpleis zum Anlegen einer Transportpferdebahn auf der Straße von Steinringen nach Heisterbacherrott, allerdings hier nur bis an den ,,Adrian‘schen Weg“. Ein Jahr später beantrage Meyers, die Bahn auf Lok-Betrieb umstellen zu dürfen, weil das mit den Pferden nicht rentierlich sei. Auch das wurde genehmigt und damit war das von den Strüchern liebevoll ,,et Flitschbähnchen“ und auch ,,Rappelkiste“ genannte Steinbruchbähnchen geboren.

Den Stüß-Bruch hatte einer Darstellung in einer Zeitung zufolge, die der Chronist im Adrian‘schen Familienarchiv fand, ein Jakob Arenz eröffnet. Sicher handelt es sich hierbei um eine der drei namhaften Oberkasseler Steinbruchfirmen neben J. G. Adrian und Christian Uhrmacher (Oberkasseler Basalt AG). Diese drei Firmen sind auch im Oberkasseler Telefonbuch von 1900 zu finden, noch nicht die Gebr. Uhrmacher, die zweifellos die Nachfolger von Chr. Uhrmacher waren. Arenz war auf der Strüch schon früh ,,vor Ort“, denn schon 1887 gab es zwischen ihm und der Gemeinde Oberpleis einen heftigen Streit um einen Gemeindeweg, den A. durch einen Einschnitt zu seinem Bruch unterbrochen und nur unzureichend überbrückt hatte. Der Oberförster klagte hiergegen in Siegburg und auch die Gemeinde zog vor Gericht. Der ,,Tatort“ wird zwar im Protokollbuch des Gemeinderates mit ,,am kleinen Ölberg“ bezeichnet, die Umstände sprechen aber eher für Stüß. Vielleicht hat A. beide Brüche besessen. Allerdings muß auch Karl Adrian am Stüß tätig gewesen sein, denn er erbot sich, wie schon gesagt, dort mit 4 Mann Pflastersteine für die 1866/67 gebaute Pleistalstraße zu gewinnen. Etwas verworren das Ganze. Sei es wie es sei: 1900 taucht Albert Meyers am Stüß auf! Er beantragte die Genehmigung, ab Bennert eine Anschlußbahn zum Stüß anlegen zu dürfen. Das genehmigte der Gemeinderat am 03.02.1900. Jetzt war das Strücher Eisenbahnnetz fertig!

Irgendwann danach haben dann die Gebrüder Uhrmacher die Meyerschen Brüche aufgekauft, jedenfalls bezeichneten sie sich lt. firmeneigenem Briefvordruck 1910 als Besitzer der Steinbruchbetriebe ,,...Steinringsberg, Stüß, kleiner Ölberg, Ölberg...“. Von Kuxenberg ist nicht die Rede, entweder wurde dieser kleine Bruch erst später eröffnet oder er war zu unbedeutend. oder Theodor Schmidt irrt sich, wenn er fest glaubt, daß dieser Bruch von Uhrmachers betrieben wurde. Da Theodor Schmidt sich jedoch genau daran erinnert, daß die Kuxenberger Steine vom Fuhrwerkbesitzer Koch aus Wiese mit einem Pferdefuhrwerk zum Brecher der Uhrmachers transportiert wurden, dürfte wohl doch unzweifelhaft sein, daß die Gebr. Uhrmacher auch den Kuxenberger Bruch betrieben haben.

Ihren maschinellen Steinbrecher und ihre Verladerampe errichteten die Uhrmachers nicht weit von dem der Firma J. G. Adrian, etwa 500 m weiter in Richtung Grengelsbitze, ungefähr da, wo heute die Wiesenstraße in die Dollendorfer Straße einmündet. Gebr. Uhrmacher bezogen ab 1917 Wasser von der Kuxenberger Wasserleitungsgesellschaft für ihre Brecheranlage, die hat aber sicher schon lange vorher da gestanden. Etwa 1928 verkauften Uhrmachers ihre Betriebe auf der Strüch an die Gewerkschaft Fritz aus Andernach. Die aber gab bald auf, vermutlich wegen der nachlassenden Rentabilität. Die Thomasberger Handballer, die ab 1929 nach einem Gelände für einen Sportplatz suchten, verhandelten schon mit dieser Firma, und bereits im Jahr davor, im September 1928, wurden die beiden Steinbruchfirmen Adrian und Fritz vom Wasserverein gemahnt, sparsam mit dem knappen Naß umzugehen. Von Uhrmacher war da nicht mehr die Rede. Der Stüßbruch ist zweifellos da schon lange zu gewesen, denn der Chronist (geb. 1922) kann sich an das Bähnchen dorthin nicht mehr erinnern, wohl an das zum Steinringer Berg. Gehen wir also davon aus, daß so um 1925 herum am Stüß Schluß war und so um 1930 am Steinringer Berg.

Der Stüß- und der Steinringer Bruch waren mit der Verladerampe und dem Brecher am sog. Rankemich bekanntlich mittels Kleinbahn verbunden. Das erste Stück von der Rampe weg nach Wiese war auch das steilste. Die kleine Lok keuchte und fauchte und manchmal lösten sich bei dem Rumpeln schlecht angekuppelte Wägelchen vom Zug und rasten rückwärts den Steilabhang hinunter und überschlugen sich am Schienenende saltoartig über eine Begrenzungsmauer hinweg auf die Schienen der Heisterbacher Talbahn oder gar auf die Chaussee. Nach dem ersten Steilstück ging es über ein Viadukt, mit dem die obere Bruchausfahrt vom Limperichsberg überquert wurde. Dort stand links, direkt neben der Bruchausfahrt, die ,,Kaffeebud“ für die Limpericher Brucharbeiter, und rechts, also brecherseitig, die Halle für die Limpericher Steinkipper. Als Steinkipper waren in den 20er Jahren dort tätig: Klaus und Heinrich Weiß sowie Bertram Weber und der Kläs Hännes. Kläs und Weber hingen sich ständig wegen Politik in der Wolle, Kläs war überzeugter Kommunist und Weber ebenso überzeugt beim Zentrum. Ansonsten waren es beste Kumpels.

Heute noch lebende Strücher erinnern sich, daß das Steinbruchbähnchen lange vom Schwarz-Fritz aus Bennert gefahren wurde, vor ihm war der alte Winterscheid Lokführer, ebenfalls aus Bennert. Als Bremser sind noch der Wilhelm Wallau und der Josef Büsgen, der Tambour des Spielmannszugs, in Erinnerung.

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Steinbrucharbeiter am Limperichsberg

Vom alten Winterscheid ist eine Anekdote überliefert, die so köstlich ist, daß sie hier eingeflochten werden muß, obwohl sie mit dem Thema ,,Steinbrüche“ nichts zu tun hat. W. war ein sogenannter ,,Wöhles“, ein Wühler also, sowohl bei der Arbeit als auch nach Feierabend auf seinem kleinen Acker, der am Weg zum Stüß hinauf lag. Dort wühlte er bis in die Dunkelheit, oft bei Mondschein oder gar mit einer Laterne. Das störte den Bröhls Dures, der zwar eine große ,,Buhrschaff‘, also einen landwirtschaftlichen Betrieb hatte, es aber lieber gemächlich angehen ließ. Der heuerte gegen eine Flasche Schabau (Schnaps) einen Burschen an, der dann bei Dunkelheit in ein weißes Leintuch gehüllt und mit rasselnden Ketten gegürtet wie ein Geist über das Feld ,,schwebte“ und den dort noch arbeitenden Winterscheid umkreiste. Der fiel angstschlotternd auf die Knie und schwor, nie mehr im Dunkeln zu schüppen.

Am Stüß ging das ,,Flitschbähnchen“ bis an die Stelle, wo 1931 die Thomasberger ihren ersten Sportplatz bauten. Hier war ein Tunnel in den Stüß-Bruch getrieben, an dessen Ende, also dort, wo es in den Bruch hinabging, eine Motorwinde stand, mit der die gefüllten Loren hochgewunden wurden. Am Steinringer Bruch hatte man den Zugangstunnel schräg nach unten angelegt, oben stand eine Maschine, die die beladenen Wagen mit einem Stahlseil nach oben zog.

Die gebrochenen Steine wurden entweder als ganze Säulen ausgeliefert, Basalt lagert in seiner besten Form in fünf- oder sechseckigen gebündelten Säulen über- bzw. nebeneinander, oder je nach Möglichkeit bzw. Bestellung passend geschlagen, z. B. zu Grenz-, Bord- und Pflastersteinen oder zu Kleinmaterial. Hinsichtlich der Berufsbezeichnung unterschied man im Steinbruch neben den zum Transport eingesetzten Steinbrucharbeitern noch Steinhauer, Schrottschläger, Kleinschläger, Klarschläger, Pflastersteinkipper und, natürlich, die Aufseher. Zumindest steht es so in einer Eingabe des Verbandes Westdeutscher Steinbruchbesitzer vom 20.08.1909, worin die sich beim Reichskanzler darüber beschwerten, daß sie keine Frauen und keine Jugendlichen unter 16 mehr mit Kleinschlag beschäftigen durften. Wo die Jugendlichen denn sonst diese Arbeiten lernen und wo sie künftig ihren Nachwuchs herbekommen sollten, fragten sie empört. Und die Arbeit im Steinbruch, also an der frischen Luft. sei doch bedeutend gesünder als in der Fabrik. Die Bürgermeister der Gegend, auch die Oberpleiser. traten dieser Auffassung bei, aber es nutzte nichts, die Regierung blieb eisern. Am Ölberg und in den ersten Jahren auch noch in den Thomasberger Brüchen mußten die Steine, die zum Zerkleinern bestimmt waren, noch von ,,Schrottschlägern“ mit einem Spezialhammer, dem Kleinschlaghammer, der einen langen Stiel aus Haselnuß- oder Eichenholz hatte, klein geschlagen werden. Bei dieser Arbeit hat der Großvater des Chronisten ein Auge durch einen Steinsplitter verloren, das gehörte halt zum Berufsrisiko. Die Thomasberger Brüche hatten aber, wie schon gesagt, ab der Jahrhundertwende maschinengetriebene Steinbrecher. Durch die Brecher entfiel das ,,Steineklopfen“. Wohl brauchte man weiterhin die ,,Kipper“, besondere Fachleute, die, wie es in dem vorgenannten Bericht des Verbandes der Steinbruchbesitzer an den Reichskanzler hieß, ,,.... den Stein zunächst mit 9 - 12 kg schweren Hämmern aus dem rohen Block oder der Basaltsäule herausschlagen, um ihm dann mit leichterem Hammer kunstgerecht die vorgeschriebene Form zu geben“. Je nach bestellter Größe unterschied man in unseren Brüchen ,,Kölsche“ und ,,Holländer“, die Holländer waren größer. (Dazumal nahm Holland etwa 50 % des gebrochenen Basalts ab.) Der alte Steinkipper Bertram Weber aus Wiese unterschied die Pflastersteine nach solchen mit rundem und mit flachem Kopf. Außerdem, so erzählte er seinem Enkel Josef Mehren, machte seine Kippergruppe ,,Möppchen“, das sind die ganz kleinen Pflastersteine. Manchmal schickte der Unternehmer speziell geschulte Kipper zusammen mit einer Lieferung solcher Möppchen ,,in die Fremde“, heute würde man sagen ,,auf Montage“. Sie mußten dann z. B. bei reichen Bauern im Westerwald den Hof pflastern. Erstaunlich waren Geschick und Sicherheit geübter Kipper, die genau wußten bzw. beim Hin- und Herkippen der Steine an deren Aderung und Wuchs genau erkannten, wo der Schlag mit dem Kipphammer anzusetzen war.

Weniger gutes Gesteinsmaterial wurde durchweg mit Trockenpulver losgesprengt. Gutgewachsene Säulen, auch größere Gesteinsbrocken, brachen die an einem Halteseil in der Wand hängenden Steinbrucharbeiter mit einem Spezialbrecheisen aus der Wand heraus. Fielen einzelne gelockerte Partien nicht, band man ein Seil drum und zog sie von unten herab. Aus den untersten Steinbruchebenen mußte das auf Loren geladene Material meist mit motorisierten Seilwinden ziemlich steil noch oben geholt werden. Durchweg wurde im Akkord gearbeitet, zuerst wurden die beladenen Wagen gezählt, später gewogen.

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Strücher und andere Steinmetze im “Sonntagsstaat” am Stenzelberg

Wie gefährlich die Arbeit im Steinbruch war, ist durch Verletzte und Tote belegt. Theodor Schmidt, dem der Chronist einen Teil dieser Schilderung verdankt, der erinnert sich z. B. an die tödlich verunglückten Franz Reusch aus Wiese, der am Weilberg starb, und die Arbeiter Effer (am Scharfenberg) und Mimzeck (am Steinringer Berg), außerdem an einen tödlich verunglückten Trommeschläger aus Dollendorf. Auch hat Theodor Schmidt sein Lebtag lang das gräßliche Bild nicht aus dem Gedächtnis verloren, wo dem neben ihm stehenden Josef Weber bei einer Sprengung von einem in den schützenden Tunnel hineinsausenden Stein der Unterkiefer zerschmettert wurde. Dabei hatten die beiden sich 10 m vom Tunneleingang untergestellt und wähnten sich absolut sicher. Ebensowenig vergißt er, wie er selbst einmal von einer unerwartet herabstürzenden Gesteinspartie beinahe erschlagen worden wäre, die Lawine ging um Haaresbreite an ihm vorbei. Was Wunder, wenn viele Arbeiter diese Knochenmühle oft im Suff zu vergessen suchten. Der Schnapsverbrauch durch die Steinbrucharbeiter war jedenfalls sagenhaft, selbst Frau Symnofsky führt darob in ihren Kirchweihtexten bitterbewegte Klage.

Die schwerste und wohl auch gefährlichste Arbeit aber war eine, die außerhalb der Brüche zu leisten war, nämlich unten am Rhein beim Verladen der Steine auf die Rheinschiffe. Sowohl Adrian als auch Uhrmacher hatten nahe am Ufer ihre Gesteinslager und von dort mußten besonders kräftige Männer die Steine mit Schubkarren über schwankende Bohlen auf das ankernde Schiff ,,schürgen“. Die ,,Schürger“ verdienten zwar etwas mehr, wurden aber trotzdem nicht beneidet. Theodor Schmidt erinnert sich auch hier an einen tödlichen Unfall: der Schürger Olbrück kippte mit einer vollbeladenen Karre vom Brett in den Rhein und kam nicht wieder hoch, vermutlich war er vom Schultergurt der Karre gefesselt.

Am längsten waren der Limperichsberg und der Weilberg in Betrieb. Am Weilberg machte man erst Schluß, als nicht mehr genug Arbeiter da waren, um weitermachen zu können, weil immer mehr und selbst ältere Jahrgänge zum Militär eingezogen wurden. Die verbliebenen Arbeiter wurden zum Steinbruch am Hühnerberg ,,überwiesen“. Das sei etwa 1940 gewesen, erzählte im Januar 1965 der 8Ojährige Mathias Bröhl einem Reporter der Siebengebirgs
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Luftbild vom Limperichsberg. Im Vordergrund der Terrassenweg, der alte Sportplatz und die zugewachsenen Steinbrüche. Im Hintergrund Thomasberg, Bennert, Steinringen. Aufnahme vom
11.8.1987 von R. Zantopp. Freigegeben vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege, Bonn.

-Zeitung, die in ihrer Nr. 3/65 einen Bericht über diesen Jubilar brachte. Vielleicht war es aber auch später, denn der Limperichsbruch wurde noch bis 1943 betrieben, 1941 wurden in ihm noch mehr also 10000 t gefördert, 1942 waren es 1997 t und 1943 ganze 164 t. Nach dem Krieg hat man im Jahr 1945, lt. Unterlagen im Adrian‘schen Archiv, nochmals 195 t herausgeholt und dann endgültig Schluß gemacht. Adolf Otto aus Kuxenberg, der langjährige Sprengmeister und Steinbruchaufseher, paßte noch einige Jahre auf alles auf, brach auch schon mal mit anderen Ehemaligen etliche Basaltsäulen im noch offenen Bruch, gestattete aber auch den Abbau von Schienenstücken, die Strücher für den Wiederaufbau kriegszerstörter Anwesen benötigten, weil ja nichts anderes zu bekommen war.

Der Tunneleingang heute1945 bekamen die Tunnel zu den Steinbrüchen, insbesondere die zu den Limperichsbrüchen, für viele Bewohner der Strüch eine lebensrettende Funktion: sie dienten als Schutzbunker bei Luftangriffen und vor allem ,,im Beschuß“. ,,Im Beschuß“ wird bei uns die Zeit genannt, als im März 1945 die vorrückenden Amerikaner sich mit Jabos und Artillerie ihren Weg beim Vormarsch nach Deutschland hinein freibombten. Hierzu mehr in einem anderen Abschnitt.

Die Abraumhalden ,,Am Stüß“ und am ,,Adriansberg“, inzwischen längst mit Ginstern und anderem Gesträuch bewachsen, wurden 1930/31 bzw. 1947/48 einem guten Zweck zugeführt, auf ihnen wurden die Thomasberger Sportplätze angelegt. Der Steinringer Bruch diente viele Jahre als Mülldeponie. Es qualmte und stank dort zeitweilig bestialisch. Ratten wurden im Müll heimisch und vermehrten sich unheimlich. Die Mülltransporte und auch das unkontrollierte Müllverbringen wurden zum Problem für Straßen und Landschaft. Also beschloß der Rat der Stadt, die Kippe zum 01.04.1974 zu schließen. Wer allerdings glaubt, die Thomasberger hätten darob gejubelt, der irrt gewaltig. Mit Protesten und Eingaben wehrten sieh viele gegen die Schließung, denn man fürchtete, daß man jetzt seinen Müll nicht mehr so einfach und billig los würde. In das Steinringer Loch ginge noch viel
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Der zugewachsene Steinbruch heute.

rein, und dann wäre da ja noch der Steinbruch am Limperichsberg, da könne man anschließend noch 100 Jahre und mehr den hiesigen Müll hineinkippen. Uber 1000 Unterschriften legte man dem Rat vor, doch der blieb hart.

In den 80er Jahren wurde das ehemalige Steinbruchgelände im Steinringer Berg in das erweiterte Landschaftsschutzgebiet des Siebengebirges einbezogen, zusammen mit Flächen zwischen Sonderbusch - Grengelsbitze - Heisterbacherrott (Lauterbachtal) und den Bachauen am Hasenpohler Bach bis an die Autobahn bei Hasenboseroth. So vernarben die Wunden in der Landschaft.

Quelle: Willi Schmidt, Die Strüch - Eine Chronik von Thomasberg
Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Bezugsquelle: Bürgerverein Thomasberg

 


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Eingang zum Tunnel an der Wiesenstraße.

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Spazierweg zum Steinbruch.